TG Jahn macht aus wenig viel, aber reicht das?
Auf einem Nichtabstiegsplatz überwintert die TG Trösel in der Fußball-Kreisoberliga. Soweit das Positive. Trainer Kurt Ziener trauert allerdings einigen Punkten hinterher, die in engen Spielen abgegeben wurden. Der Aufsteiger hätte sich durchaus schon etwas von hinten absetzen können, so aber erwartet der erfahrene Coach Abstiegskampf pur bis zum letzten Spieltag. "Wir hatten uns die Kreisoberliga schwerer vorgestellt", sagte Ziener, der vor der Saison den Klassenerhalt höher einschätzen wollte als den Aufstieg. Die Tröseler sind auf dem besten Wege, dass Kunststück zu schaffen, auch wenn es am Tabellenende eng zugeht. "Eigentlich haben wir aus wenig viel gemacht", meint Ziener, der seinen kompletten Aufstiegssturm vor der Runde verlor. Im Angriff drückt jetzt auch der Schuh, denn es fehlt nicht nur ein echter Torjäger, 24 Treffer sind zu wenig.
Aber immerhin hat es die TG Jahn geschafft, Schwächen über das Kollektiv auszugleichen. Das stimmt Ziener zuversichtlich, der - bis auf wenige Ausnahmen - Einstellung und Engagement seiner Spieler lobt. Einen Vorwurf kann er seiner Mannschaft nicht machen, allerdings kann man sich trotzdem ärgern. So beispielsweise über die Niederlagen in den Heimspielen gegen SV Fürth und auch SG Wald-Michelbach (0:1) im letzten Spiel des Jahres. Auch die 2:3-Niederlage beim direkten Konkurrenten SV Affolterbach trotz Überzahl tat weh. Ein ganz spezielles Spiel war das 1:8 gegen den VfL Birkenau, als die Tröseler in der ersten Hälfte überlegen waren und sich dann abschießen ließen. "So ein Spiel habe ich noch nie erlebt", sagte Ziener. Wohlgemerkt, der Mann ist schon 30 Jahre im Geschäft.
Die Zugänge mit Torwart Tarek Sönmez und Dustin Seitz wurden gut integriert, Christian Schröder spielt einen souveränen Libero und Christopher Jöst sei sowieso der "Turm in der Schlacht", von denen es einige zu schlagen galt. Eigentlich will Ziener keine Spieler hervorheben, doch wie sich Michael Jöst, der in der ersten Mannschaft ins kalte Wasser geworfen wurde, entwickelt habe, sei erfreulich. Auch wenn es in der Winterpause vier Neuzugänge gab, wird Ziener auch weiterhin schauen müssen, wie er eine schlagkräftige Mannschaft bastelt, die auch auswärts mehr reißen muss. Bisher gelang nämlich nur ein 2:1-Sieg in Bensheim und ein 1:1 in Bürstadt.
"Ich bin Trainer, kein Zauberer", sagt Kurt Ziener mit Blick schon auf die nächste Saison, wo noch nicht klar ist, ob er bleibt. Das sei abhängig von der Klasse, aber auch, welche Perspektiven der Verein aufzeigen könne. Ziener trägt die Klubphilosophie, auf eigene Spieler zu setzen, voll mit. Allerdings müsse man dann auf anderen Feldern der Konkurrenz einen Schritt voraus sein, beispielsweise die Jugendarbeit intensivieren und die Nachwuchsspieler fördern, damit sie auch im Verein gehalten werden.
"Unter diesen Umständen ist für einen guten Unterbau eine Reserve in der D-Liga auf Dauer nicht tragbar", lässt Ziener durchblicken, der aber mit Zweitmannschaftstrainer Rene Becker eng zusammenarbeitet und immer mal wieder einen Spieler nach oben zieht. Kurt Ziener: "Das ist bei uns alles ziemlich durchlässig."
(Quelle: OZ Artikel vom: 20.01.2012)