Er ist die treue Seele der TG Jahn Trösel. Seit 30 Jahren trägt Thorsten Ruland das Trikot der Mannschaft aus dem Gorxheimer Tal und dürfte damit die meisten Spiele in der Geschichte des Vereins
absolviert haben. Mit nun 36, fast 37 Jahren ist sein Entschluss gereift, nach dem letzten Saisonspiel die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. "Ich möchte meiner Familie mehr Zeit widmen",
erklärt er diesen Schritt, wobei er vor allem an sein kleine Tochter denkt, die im März das Licht der Welt erblickt hat.
In der F-Jugend der TG Jahn hat Ruland mit dem Fußballspielen begonnen. In den folgenden Jahren hat er alle Jugendmannschaften durchlaufen und machte mit starken Leistungen nicht nur im eigenen
Verein auf sich aufmerksam. In der A-Jugend wechselte er nach Weinheim, wo er sich aber prompt eine Verletzung zuzog und schließlich wieder nach Trösel zurückkehrte, ohne eine Partie für die 09er
ausgetragen zu haben.
In der ersten Mannschaft der TG Jahn erkämpfte er sich schnell einen Stammplatz. Der Allrounder, der auf allen Positionen im Mittelfeld oder in der Abwehr eingesetzt werden, überzeugte vor allem
durch seine Schnelligkeit und seine Spielübersicht. In der Bezirksliga (heute Kreisoberliga) konnte er dann mit seinen Mannschaftskameraden die ersten kleinen Erfolge mit zweiten und dritten
Plätzen feiern.
Doch auch die TG musste in der Folgezeit einen personellen Aderlass verkraften und schwere Jahre überstehen. So stieg die Mannschaft aus der höchsten Klasse des Kreises Bergstraße bis in die
Kreisliga B ab. Dort konsolidierte sich der Verein aber schnell und schaffte mit jungen Spielern aus der eigenen Nachwuchsabteilung und einigen erfahrenen Kräften wie Ruland an der Spitze den
sofortigen Wiederaufstieg in die A-Klasse. Der Aufschwung setzte sich fort und 2009 folgte der Aufstieg in die Kreisoberliga, in der sich die Talemer aber nur ein Jahr halten konnten. "Wir hatten
das Problem, dass wir uns nach dem Aufstieg nicht verstärkten, sondern stattdessen Spieler zu anderen Vereinen wechselten", sagt er.
Aber auch danach hielt die TG an der Maxime fest, auf die eigenen Spieler zu setzen anstatt für viel Geld Fußballer ins Tal zu locken. Dafür wurden die Tröseler in der vergangenen Saison belohnt,
denn sie packten erneut den Sprung in die Kreisoberliga - wenngleich der Aufstieg ein "sehr seltsames Erlebnis" war, wie Ruland bekennt. Seine Mannschaft stand vor dem letzten Rundenspiel in
Einhausen auf dem dritten Platz und wäre somit für die Relegation um den freien Platz im Bergsträßer Oberhaus qualifiziert gewesen. Die Auf- und Abstiegskonstellation in der höheren Klassen
ermöglichte aber auch den direkten Aufstieg. "Nach dem Abpfiff wusste zunächst niemand, was eigentlich los war. Wir bekamen dubiose Informationen, dass das maßgebliche Spiel abgebrochen worden
wäre. So hat es einige Zeit gedauert, bis dann die Nachricht kam, dass wir tatsächlich den direkten Aufstieg geschafft hatten. Das war sehr überraschend, dann aber auch umso schöner", erinnert er
sich gerne an die folgende Feier im Clubheim.
Aber auch dieses Mal musste die Mannschaft einen personellen Rückschlag für die Mission Klassenerhalt hinnehmen, denn André Sommer, der die meisten Tore in der Aufstiegssaison erzielte, wechselte
nach Weinheim. So wurde erneut der Klassenerhalt ausgegeben, der heute, vier Spieltage vor Rundenende, schon möglich gewesen wäre.
"Wir hatten einige enge Spiele, die wir unnötig verloren haben, weil wir einen Fehler zu viel machten", denkt er an die Begegnungen gegen den SV Fürth oder vor allem gegen den SV Affolterbach,
als die TG mit 2:0 in Führung lag, sich am Ende aber noch die Butter vom Brot nehmen ließ und 2:3 unterlag. "Sechs Punkte mehr wären drin gewesen, dann wären wir schon gesichert. Nun müssen wir
in den verbleibenden vier Partien so viele Punkte wie möglich holen, mindestens aber zwei Siege", macht der Elektroniker, der den zweiten Bildungsweg absolvierte, seine Rechnung auf.
Ob die TG schon morgen damit beginnen kann, ist auch für ihn ungewiss, immerhin heißt der Gegner VfL Birkenau, der lange Zeit der einzige Verfolger von Meister FC Einhausen war. "Das wird eine
schwere Aufgabe, aber wenn wir lange genug dagegenhalten, ist vielleicht eine Überraschung drin."
An das Vorrundenspiel erinnert sich Ruland nicht so gern. Nicht nur, dass die TG trotz zunächst starker Leistung 1:8 unter die Räder kam, zudem sah er die rote Karte nach einem umstrittenen Foul.
"Das hat keiner verstanden", sagt der Bayern-Fan, der morgen aufpassen will, damit "mir das nicht noch einmal passiert", denn sonst könnte das Ende seiner Laufbahn schneller kommen als
erwartet.
(Quelle OZArtikel vom 05.05.2012)